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Deutschland – Seite 58

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Zwischen 1949 und 1990 gab es mehrere deutsche Nationalmannschaften. Deshalb steht auf älteren Stücken „West Germany“ – ein Wort, das ein Trikot sofort datiert.

Deutsche Nationaltrikots sind auf dem Markt reichlich vertreten, und gerade deshalb lohnt ein System beim Prüfen. Am schnellsten hilft die Bezeichnung selbst: Wie ein Verband und eine Mannschaft in einem bestimmten Jahr hießen, ist dokumentiert und lässt sich gegen jede Saisonangabe halten. Danach folgen Ausrüster, Wappenform und Innenetikett. Der folgende Überblick liefert die belegten Eckpunkte.

Die Geschichte der Nationalmannschaft

Der Deutsche Fußball-Bund wurde 1900 gegründet, das erste offizielle Länderspiel folgte am 5. April 1908 in Basel gegen die Schweiz und ging 3:5 verloren. Aus den Jahren davor sind Begegnungen mit englischen Auswahlen überliefert, die kein Verband heute als offiziell führt; sie endeten allesamt hoch verloren, darunter ein 0:12 im September 1901 an der White Hart Lane. Julius Hirsch war ab 1911 der erste jüdische Nationalspieler; Gottfried Fuchs erzielte am 1. Juli 1912 beim 16:0 gegen Russland während der Olympischen Spiele in Stockholm zehn Tore, ein damaliger Weltrekord. Der DFB tilgte zwischen 1933 und 1945 sämtliche Hinweise auf ihn aus seinen Unterlagen.

Zwischen 1949 und 1990 erkannte die FIFA infolge von Besatzung und Teilung mehrere deutsche Auswahlen an: die Mannschaft des DFB für die Bundesrepublik, im Englischen als West Germany geführt, dazu eine Auswahl des Saarlands von 1950 bis 1956 und eine der DDR von 1952 bis 1990. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde die Kurzbezeichnung von „Germany FR (FRG)“ zu „Germany (GER)“ verkürzt. Für Sammler ist das der wichtigste Merksatz überhaupt, weil er auf Etiketten, Artikelbezeichnungen und Turnierartikeln sichtbar wird.

Sportlich stehen vier Weltmeistertitel zu Buche: 1954, 1974, 1990 und 2014, dazu vier zweite und vier dritte Plätze. Der Sieg von 1954 gegen Ungarn, das zuvor 32 Spiele unbesiegt geblieben war, ging als Wunder von Bern in die Erinnerung ein; Helmut Rahn erzielte beim 3:2 den entscheidenden Treffer, Kapitän war Fritz Walter. 1966 verlor die Mannschaft das Finale gegen England 2:4, 1970 folgte im Halbfinale das 3:4 gegen Italien, das in beiden Ländern als Jahrhundertspiel gilt. 1974 gewann die Elf um Kapitän Franz Beckenbauer im eigenen Land 2:1 gegen die Niederlande, nach einem Elfmeter von Paul Breitner und dem Siegtor von Gerd Müller. Bei Europameisterschaften gab es Titel 1972, 1980 und 1996, dazu den Sieg im Konföderationen-Pokal 2017; die DDR-Auswahl gewann 1976 olympisches Gold. Gerd Müllers WM-Rekord von 14 Toren hielt bis 2006, ehe ihn Ronaldo überbot und Miroslav Klose ihn 2014 auf 16 Treffer schraubte.

Ikonische Nationaltrikots

Für die Einordnung eines deutschen Trikots zählen drei Ebenen. Erstens die Bezeichnung: Alles, was als West Germany ausgewiesen ist, gehört in die Zeit vor 1990, alles mit der Bezeichnung Germany in die Jahre danach oder in die Zeit vor der Teilung. Zweitens der Ausrüster – im Handel begegnen adidas, Hummel und Puma –, dessen Logo zusammen mit Schnitt und Materialaufdruck den Zeitraum weiter eingrenzt. Drittens das Detail am Stück selbst: Kragenform, Ärmelabschluss, Größe und Ausführung des Verbandszeichens sowie das Innenetikett mit Modellnummer. Diese drei Ebenen müssen zueinander passen; widersprechen sie sich, stimmt die Saisonangabe meist nicht.

Große Namen der Nationalmannschaft

Typische Flocknamen sind Klose, Ballack, Kroos, Schweinsteiger, Podolski, Klinsmann, Muller, Ozil, Matthaus, Musiala und Wirtz. Deutsche Namen zeigen eine Eigenheit der Produktdaten besonders deutlich: Umlaute werden aufgelöst oder ersetzt, aus „ü“ wird „u“ und aus „ä“ wird „a“. Die Schreibweise im Titel sagt also nichts darüber, wie die Beflockung auf dem Stoff aussieht. Hinzu kommt, dass ein Name wie Muller in der deutschen Fußballgeschichte mehrfach vorkommt und für sich genommen niemanden identifiziert. Erst Name, Rückennummer und angegebene Spielzeit zusammen ergeben ein prüfbares Bild – und auch dann bleibt die Frage, ob die Beflockung ab Werk stammt oder nachträglich aufgebracht wurde.

So wählst du dein Trikot

Fünf Prüfschritte decken die häufigsten Fälle ab:

  • Bezeichnung gegen Saison halten: Ein als West Germany bezeichnetes Stück kann nicht aus der Zeit nach 1990 stammen.
  • Ausrüster gegen Saison halten: Herstellerlogo und Etikettgestaltung ändern sich regelmäßig und decken Widersprüche auf.
  • Art des Stücks klären: Neben Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikots kursieren Torwarttrikots, Langarmversionen, Trainingsshirts, Hosen, Polos, Tees sowie Trainings- und Regenjacken. Ein bedrucktes Shirt oder ein Hut aus einem Turnierjahr ist kein Spieltagstrikot.
  • Ausgabeversion einordnen: Player Issue und Match Issue meinen eine für Spieler gefertigte Ausführung und belegen keine Spielverwendung. Staff Issue bezeichnet Ware für Betreuer, nicht für den Kader.
  • Zustand lesen: Die Skala reicht von „Brand New – With Tags“ über „Mint“, „Excellent“ und „Very Good“ bis „Good“ und „Fair“, ergänzt um Zehnerwertungen wie 6/10.

Mehrjahresangaben wie 2004-06 oder 2010-12 bedeuten, dass ein Modell über mehrere Spielzeiten getragen wurde. Sie grenzen den Zeitraum ein, sagen aber nicht, aus welcher dieser Saisons ein einzelnes Stück stammt. Wer es genauer braucht, fragt Fotos von Innenetikett, Wappen und Nahtbild an.

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